Donnerstag, 9. Oktober 2008

Die Organisation der Stunden sollte doch eigentlich abgeschlossen sein!?

Ist es aber nicht......

Letzte Woche komme ich in eine Schule, hole wie immer die Kinder aus den Klassen ab, 2 Mädels erklären mir, dass sie heute nicht kommen können, sie haben noch eine Stunde.
?????
Die Klassenlehrerin kommt mit betretenem Gesicht auf mich zu: "Es geht leider nicht anders, die Mädchen können nur 14tägig in den Religionsunterricht kommen! Aber die Frau Direktor wird Ihnen erklären, warum das so ist..."
Gehe zur Frau Direktor. "Ja, es ist sehr unangenehm, leider, es war nicht anders möglich..... Aber die beiden Mädels können eh 14tägig am Religionsunterricht teilnehmen. Und in den anderen Wochen kann der Schüler der 4. Klasse nicht an Religion teilnehmen, denn da hat er Fußball...."

Super!!!! Die Lösung mit 14tägig 4 Kinder, 14tägig 3 Kinder ist für mich keine Lösung. Ich schlage der Frau Direktor vor, dass ich den Unterricht einfach in der 6. Stunde mache. Die beiden kids aus der 1. und 2. Klasse gehen eh in den Hort, die können dort essen, eine Stunde warten und dann in der 6. Stunde zum Religionsunterricht kommen.
Frau Direktor ist erleichtert, ich auch. Schreibe noch schnell einen Infozettel für die Eltern. Mit meiner Telefonnummer und der Bitte, mich bei Unklarheiten zurückzurufen.

Die ganze Woche über gab es keinen Anruf, als dürfte alles passen....... Gestern zu Mittag rufe ich an der Schule an, ob alles klar geht, ob der Unterricht ab dieser Woche schon in der 6. Stunde stattfindet. "Ja, alles in bester Ordnung" erklärt die Frau Direktor.

Aber....... nur wenige Minuten später läutet mein Handy. Eine ziemlich aufgebrachte Mutter ist am Telefon. "Ich habe jetzt gerade den Zettel bekommen, dass Religion immer in der 6. Stunde ist. Das passt mir überhaupt nicht. Ich hole meine Tochter nämlich 14tägig schon nach der 5. Stunde ab."
Ich versuche einmal, die Mutter zu beruhigen, erkläre ihr, wie diese Lösung zustande gekommen ist.
"Ja, ja, das verstehe ich schon. Aber Sie müssen mich auch verstehen! Ich sehe mein Kind so wenig, mir ist jede Stunde mit meinem Kind wertvoll. Wenn ich sie erst um 1/2 2 Uhr abhole, dann ist der Nachmittag vorbei, weil dann muss sie auch noch Aufgaben machen und dann können wir nichts mehr unternehmen..."

Ich verstehe die Mutter ja, sage ihr das auch - versuche ihr, klar zu machen, dass es für mich fast unmöglich ist, eine andere Lösung anzubieten.
Sie beruhigt sich dann etwas, sagt, dass sie heute nach dem Unterricht kommt, ihre Tochter abholt und dass wir dann weiter reden können.

Mir liegt das Ganze sehr im Magen. Ich überlege hin und her. Mir fällt ein, dass ich anbieten könnte, den Unterricht 14tägig zu blocken - dass die Kinder dann 14tägig 7 Stunden haben, dazwischen dafür nur 5. Telefoniere mit unserer Fachinspektorin, die das schon für möglich hält. Optimal finde ich es aber trotzdem nicht.....

Heute kommt mir dann die zündende Idee: Ich werde der Mutter anbieten, dass ich 14tägig die beiden Kleinen aus der 1. und 2. Klasse extra unterrichte, das ist für die Beiden sowieso gut, weil die 3. und 4. Klässler sowieso sehr dominant sind. So werde ich dann 14tägig 2 Stunden halten, sicher etwas mehr Aufwand, andererseits glaube ich, dass es sich auf jeden Fall lohnt.

Es gibt immer eine Lösung - meine Erkenntnis von heute!


NACHTRAG: Die Mutter ist einverstanden. Aber nur für dieses Jahr. Wenn es im nächsten Jahr keine bessere Lösung gibt, wird das Kind vom RU abgemeldet.....

Aber, wie steht es schon in der Bibel: "Sorget nicht um Morgen, der morgige Tag wird für das Seine sorgen!"

Also üb ich mich auch wieder mal im Vertrauen!

Dienstag, 7. Oktober 2008

"Ich kenn mich jetzt nicht mehr aus,

Frau Lehrerin" so hat mich heute in der ersten Stunde eine Schülerin empfangen.
"In der Bibel steht, dass Gott die Welt erschaffen hat. Und in Geschichte lernen wir nun, dass sich nach dem Urknall alles ganz langsam entwickelt hat. Was stimmt jetzt wirklich?"

Hilfe, Stoßgebet gen Himmel. Wie reagiere ich richtig? R. ist ein sehr nachdenkliches Mädchen. Sie und ihre Eltern sind in einer Freikirche. Sie ist zum Religionsunterricht angemeldet.

Erinnerungen kommen in mir hoch, Erinnerungen an meine Ausbildungszeit. Ich bin nach Wien gekommen und war der Meinung, eh schon fast alles zu wissen. Mir war klar, dass die Bibel wortwörtlich zu nehmen ist. Jemand, der den biblischen Schöpfungsbericht nicht als Tatsache nimmt, der kann nicht richtig sein.... Dann wurden wir u.a. mit der "Historisch kritischen Methode" konfrontiert. Lehrer sagten uns wortwörtlich "Wir müssen euch euren Kinderglauben austreiben!"
Wie reagieren 18jährige darauf? Indem sie sich mit Händen und Füßen dagegen wehren - das hab ich getan!
Wie oft denke ich jetzt noch an die Zeit zurück, wie viel konstruktiver ich die Zeit damals verbringen hätte können.....

Im Lauf der Jahre habe ich vieles dazu gelernt. Mein "Kinderglauben" hat sich geändert. Vieles sehe ich anders als damals.

Geblieben ist mir das große Vertrauen auf Gott, dass ich weiß, er meint es gut mit mir. Dass ich mich drauf verlassen kann, dass ER die Welt erschaffen hat - wie auch immer.

Und geblieben ist mir auch der Wunsch, Kindern respektvoll zu begegnen. Nein, nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen. Menschen, die ein anderes Bibelverständnis haben als ich.

Und so versuche ich, R. zu erklären, dass die Bibel für mich kein wissenschaftliches Buch ist, sondern ein Buch, das uns helfen will, Gott zu verstehen. Ein Buch, das in Bildern spricht.
Wissenschaft kann für mich eine Seite der Medaille sein, der Glaube an Gott die andere Seite.

Ich weiß nicht, ob R. mich verstanden hat. Mir ist es einfach so wichtig, dass sie nicht einfach sagt: "Alles, was wir in Geschichte lernen ist ein Blödsinn" oder "Jetzt glaub ich nicht mehr an Gott, denn die Wissenschaft sagt was anderes!"

In der Pause habe ich dann noch ein gutes Gespräch mit R.s Geschichtelehrerin, erzähle ihr von den Gedanken, die sich R. macht. Meine Kollegin reagiert total verständnisvoll. Sie wird dran denken, wenn sie wieder über dieses Thema sprechen.

Ich bin schon neugierig, ob R. nächste Woche noch einmal darüber sprechen möchte.

Religionsunterricht ist spannend!

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Ein großes Problem

schien meine liebe Kollegin D. heute in der Früh zu haben, als sie ins Konferenzzimmer der kleinen zweiklassigen Schule kam.
"Was ist los mit dir?" fragte die Direktorin, die D. gleich ansah, dass sie Probleme hatte. "Kann ich dir helfen?"
"Stell dir vor, ich brauche eine Internet Adresse oder so was. Ich kenn mich da gar nicht aus. Kann ich mir bei dir eine machen?" VS-Direktorin. "Das kann ich nicht!"
Na, wenn weiter nichts ist, da kann ICH helfen!

Wir setzen uns gemeinsam vor das Kastl, Schritt für Schritt erkläre ich D., wie sie eine e-mailadresse bei yahoo eröffnen kann. Ist doch gar nicht schwer.....
Aber für jemanden, für den der Computer ein "Spanisches Dorf" oder ein "Buch mit 7 Siegeln" ist, ist das nicht so einfach!
"Wie geht dieses komische Zeichen?" "Was muss ich machen, wenn alles eingegeben ist?"

Tja, letztendlich haben wir mit vereinten Kräften für D. eine emailaddy eingerichtet, der Notizblock mit dem Passwort, der addy und der genauen Vorgangsweise, wie man in die mailbox kommt, ist sicher verstaut......

Ich verspreche D., jeden Mittwoch in der Früh mit ihr "Posteingang anschauen" zu üben!

4 Stunden später, eine etwas größere 4klassige Schule, auch eine katholische Kollegin: "Ist das bei euch auch so, kann man sich bei euch auch nur mehr im Internet anmelden? Und ich hab nicht einmal eine eigene Internetadresse......"

Dreimal dürft ihr raten, wie es weiterging..... ;)

Sonntag, 28. September 2008

Ist es wirklich schon 25 Jahre her,

100_2003-bearbeitet

dass wir in der Dorotheergasse in Wien ausgesendet worden sind?
Wir fühlen uns eigentlich alle noch so jung!

Damals - wie gut können wir uns noch daran erinnern, dass eine Gruppe von alten Frauen ihr 20jähriges Jubiläum gefeiert hat!!!! Wir sind jetzt älter als die Frauen damals?
Unvorstellbar!!!!

Und doch ist es so!

25 Jahre liegt nun unser gemeinsamer Abschluss schon hinter uns. Und doch gibt es ein unsichtbares Band zwischen uns - wir treffen uns jährlich, immer bei einer anderen Kollegin.

Heuer in Timelkam.
Uli hat mit Susanne alles toll vorbereitet. Viel Zeit für Gemeinschaft - ein Höhepunkt der Gottesdienst heute am Vormittag unter dem Motto: "Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir!"

Ein wunderbarer Zuspruch. Wir alle freuen uns darüber.

Donnerstag, 25. September 2008

Jetzt müsste durch einen Klick mein Stundenplan zu sehen sein!

meinStundenplan (pdf, 2 KB)

Ja - er ist zu sehen!

Ich bin glücklich damit! Viele Kolleginnen würde ob der vielen "Löcher" grausen - ich bin froh und dankbar, dass ich heuer immer entspannt von einer Schule in die andere komme.

Etwas Statistik:
  • Wöchentlich lege ich rund 200 km zurück, um meine Schulen zu erreichen
  • Die Schule, die am weitesten entfernt ist, liegt 26 km von meiner Stammschule entfernt
  • Ich unterrichte 118 SchülerInnen, die aus 16 Schulen kommen.
  • Der Unterricht findet an 12 Schulstandorten statt
  • Meine jüngste Schülerin ist 5 Jahre alt, meine älteste Schülerin 15 Jahre
  • Ich unterrichte 50 Mädchen und 68 Burschen
  • Die Kinder gehen in 45 Klassen, das heißt, dass ich in 45 Klassenbücher eintragen sollte - zum Glück haben wir da kreative Lösungen gefunden!
  • 5 meiner Unterrichtsgruppen sind auch sonst in der gleichen Klasse, alle anderen setzen sich aus verschiedenen Klassen, manchmal sogar Schulen, zusammen.
Schaut irgendwie ganz gut aus, wenn man das so ansieht....;)

Mittwoch, 24. September 2008

Mittwoch, ungerade Kalenderwoche, 13.20 Uhr bis 14.50 Uhr

..... Evangelischer Religionsunterricht für die 4 SchülerInnen, die ich am Vormittag nicht mehr untergebracht habe.

bin zuerst noch im Konferenzzimmer meiner Stammschule, unterhalten uns über einen Zwischenfall am Vormittag: Während des Unterrichts in einer 5. Realschulklasse geht plötzlich die Tür auf, ein junger Mann in schwarzer Lederjacke steht in derTür. Meine Kollegin geht auf ihn zu, fragt ihn, ob er etwas sucht, oder etwas braucht. "Kennen sie mich nicht mehr? Will nur ein bisschen eine Gaude machen!" meint der - sichtlich angetrunkene Mann. Meine Kollegin redet gut auf ihn ein, es gelingt ihr, mit Hilfe eines Kollegen den ungebetenen Besuch rauszubugstieren.
Alles gut gegangen, aber ein schaler Geschmack bleibt schon - vor allem wenn man sich die Schlagzeilen heute ansieht und an das Massaker in Finnland denkt. Nicht immer sind diese Menschen nur ein bisschen besoffen.....

Um 13.10 Uhr gehe ich runter, die erste Schülerin, eine aus der 1. Klasse, noch ganz neu in der Hauptschule, wartet schon auf mich. Wir kennen uns schon aus dem Volksschulunterricht. Wir tratschen, unterhalten uns. Kurz darauf taucht ihre Schwester auf.
Es läutet, die Schüler strömen aus den Klassen, ich steh da wie der Cherub vor dem Paradies, um die anderen beiden Schüler abzufangen. Aus Erfahrung weiß ich, dass es oft vorkommt, dass der Unterricht "vergessen" wird.....

Viele SchülerInnen strömen an uns vorbei. M und R sind nicht dabei. Ich gehe hinauf in die 3. Klasse - ein paar Mädels sind noch da. "Wo sind denn M und R?" "Die sind schon runter gegangen!"

Ich halte Nachschau in unserem "Religionskammerl". Niemand da. Bin eigentlich ziemlich ärgerlich. Haben die sich irgendwie aus dem Staub gemacht......

Ich rufe die Eltern an - erreiche nur die Mutter von R - die sagt, dass er sicher vergessen hat, gibt mir seine Handynummer. Leider hat er das Handy ausgeschaltet.

So sitze ich mit den beiden Mädels da, unterhalten uns über den Sommer. Es ist total nett und friedlich. Auf einmal wird die Türe aufgerissen: R steht da! "Ach, da seid ihr!" Es stellt sich raus, dass die beiden Burschen total brav bei der Direktorin gewartet haben. Diese hat schon versucht, mich am Handy zu erreichen, während des Unterrichts habe ich dieses aber auf lautlos geschalten.....

Nun ja, mit einer halben Stunde Verspätung sind wir dann vollzählig und verbringen eine lustige Anfangsstunde.
Ich muss sagen, ich freue mich auf die "ungeraden" Wochen mit dieser Truppe!

Montag, 22. September 2008

Hausbesuch bei einem Schüler, der 2015 mit der Volksschule beginnt.....

...... das macht eine fleißige Relilehrerin doch gerne!

Auf den kleinen M. haben wir nun schon eine Weile gewartet. Ich hab seiner Mutter zugeredet, ihn doch am 15. zur Welt zu bringen, am gleichen Tag, an dem vor 18 Jahren Andi geboren ist....
Er hat sich bis zum 19. 9. 08 Zeit gelassen.

Heute hab ich mir dieses kleine Wunder angesehen. 54 cm lang, 3 1/2 kg leicht, ein kugelrundes Köpfchen, winzige Arme und Beine.
Was mich aber am meisten fasziniert hat, der Kleine hat mich die ganze Zeit angeschaut! Er macht so einen wachen Eindruck, so etwas hab ich bei einem Neugeborenen noch nie erlebt!

Die 3 älteren Geschwister sind begeistert, Vater und Mutter überglücklich. Gibt es etwas Schöneres für ein Kind, als in so eine Atmosphäre der Liebe und Geborgenheit hinein geboren zu werden?

Sonntag, 21. September 2008

Die evangelische Welt ist klein.......

.......das habe ich am Freitag gemerkt.

Unterricht bis 13.00 Uhr, zwischen 4. und 5. Stunde ein Schulwechsel. Anschließend Großeinkauf für die BigParty meines Jüngsten, die am Abend stattfinden soll. Daheim schnell noch den Aufstrich für die Pizzabrötchen für 30 Leute, alles, was rumsteht ins Schlafzimmer stellen (dieser Raum wird abgesperrt, der Rest der Wohnung ist Partyzone.....)

Völlig erledigt stehe ich dann am Bahnhof, warte auf meinen Zug, der mich nach Wien zu meinem Bruder bringen soll. Freu mich schon auf einen erholsamen Schlaf in den nächsten 2 Stunden.

Auf einmal stürzt ein Mädchen auf mich zu. H. Letztes Jahr war sie in der 4. RS. Sie hat mich gerade gesehen, muss mir erzählen, wie es ihr heuer geht - die neue Schule ist voll geil, tolle Lehrer, tolle SchülerInnen, es gefällt ihr einfach gut. Auch Reli hat sie schon einmal gehabt, wie die Lehrerin heißt, weiß sie nicht. Es kann sein, dass sie sogar am Vormittag Religion hat, weil in der Klasse 3 Evangelische sind..... Es sprudelt nur so heraus aus ihr - ich freu mich total, sie zu sehen.
Der Zug fährt ein, sie verabschiedet sich von mir.

Auf einmal schaut mich ein Mann, der neben mir steht, an, fragt: "Bist du die Schwester von J.?" Ja, ich bin die Schwester von J.! Aber wer bitte ist das? Im Hirn arbeitet es, aber es dauert nur wenige Sekunden, bis ich weiß, wer da vor mir steht. M., der engste Freund meines Bruders. Wir kennen uns aus Erzählungen, haben uns vor ewigen Zeiten auch schon mal gesehen...... M. wusste, dass ich heute zu J. komme. Er ist zufällig auf der Durchreise, steigt in den gleichen Zug wie ich..... Es ist total witzig.

So wird es nichts mit meinem erholsamen Schläfchen. Aber dafür gibt es eine Fahrt voller angeregter Gespräche!

Dass die evangelische Welt in Österreich klein ist, wusste ich schon immer. Aber heute hat es sich wieder mal bewiesen!

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